“Demokratie
braucht
politische Bildung”

Programm „Politische Jugendbildung im AdB"

Teilnehmende der Zentralen Arbeitstagung des Programms im WannseeFORUM, März 2017

Mit Beginn des Jahres 2017 startete die neue Programmphase "Politische Jugendbildung im AdB" (2017-2022). Daran beteiligt sind 21 Jugendbildungsreferent*innen und vier weitere Einrichtungen, die aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes (KJP) gefördert werden. Der AdB stellt in diesem Programm als Zentralstelle die bundeszentrale Vernetzung und Fortbildung der beteiligten Einrichtungen sicher.

 

Die Jugendbildungsreferent*innen arbeiten während der gesamten Laufzeit des Programms in vier Fachgruppen zu den jeweiligen Arbeitsschwerpunkten und treffen sich einmal jährlich zu einer Zentralen Arbeitstagung. Die Tagungen dienen dem überregionalen Erfahrungsaustausch, der Fortbildung und Evaluation.

 

Weitere Informationen:

Einen Einblick in die Arbeit der Jugendbildungsreferent*innen gibt die Programmseite:

Das Programm Politische Jugendbildung im AdB

Alle notwendigen Formulare und wichtige Informationen für die Beteiligung am Programm:

Link zur Formular-Downloadseite

 

Die Arbeitsschwerpunkte sind:

In der Demokratie kommt den Medien eine Schlüsselposition zu, da sie Politik darstellen, kommentieren, Meinungen bilden, Öffentlichkeit schaffen und Bürgerinnen und Bürgern Möglichkeiten der Einmischung bieten. Diese Chancen zur Einmischung und Teilhabe sind durch die Digitalisierung der Medien noch einmal verstärkt worden. Sie macht es Interessierten einfacher, sich öffentlich zu äußern und zu positionieren.

Im Mittelpunkt dieses Themenschwerpunkts steht die Beschäftigung mit digitalen Medien und Demokratie. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit den Grundrechten, insbesondere mit der Würde des Menschen und der Presse- und Meinungsfreiheit als Bestandteil der Demokratie. Das beinhaltet auch Aspekte der Selbst- und Fremdbestimmung und Fragen des Daten- und Urheberrechtsschutzes. Gegenstand von politischer Bildung soll auch der globale Vergleich mit Ländern sein, in denen deutliche Einschränkungen von Meinungs- und Pressefreiheit existieren, insbesondere bei den digitalen Medien und sozialen Netzwerken. Auch der Einfluss von Bürgerinnen und Bürger auf die Medien, die Kontrolle politischer Akteure durch die Medien und das Verhältnis von Staat und Wirtschaft in diesem Kontext werden thematisiert. In Seminaren und anderen Formaten der politischen Jugendbildung sollen digitale Medien zielgruppengerecht einbezogen werden.

Weltweite Flüchtlingsbewegungen stellen die Aufnahmeländer vor große Herausforderungen. Innerhalb der EU nahm Deutschland bisher die größte Zahl an Menschen auf, die aus Bürgerkriegen oder vor Hunger und Not geflohen sind, weil ihre Herkunftsländer keine (Über-)Lebensperspektive mehr bieten. Die Städte und Gemeinden, in denen die Flüchtlinge untergebracht werden, stehen vor der Aufgabe, nicht nur deren Versorgung sicherstellen zu müssen, sondern auch die Aufnahmebereitschaft ihrer Bürgerinnen und Bürger und die Integration der Flüchtlinge zu organisieren.
Daraus ergibt sich eine Aufgabe für die politische Jugendbildung, mit Bildungsangeboten einen Beitrag zur Verbesserung der Partizipation junger Menschen und insbesondere junger Flüchtlinge zu leisten und die Herausbildung einer demokratischen Identität zu unterstützen. Demokratische Identität entsteht dort, wo Demokratie und demokratische Verfahren als verbindliche Grundlage des Zusammenlebens anerkannt werden.

Inhalte der Bildungsangebote sind u. a. die Auseinandersetzung mit den Grund- und Menschenrechten, mit dem Grundgesetz, den gesetzlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von Migration sowie mit den Gefahren des Rechtspopulismus und den unterschiedlichen Ausprägungen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. In diesem Themenschwerpunkt sollen zudem neue Partizipationsmodelle entwickelt werden mit dem Ziel des Empowerments junger Menschen mit und ohne Fluchterfahrung.

Eine thematische Öffnung und Erweiterung der Zugänge zu historisch-politischer Bildung ist notwendig, um junge Menschen mit unterschiedlichen soziokulturellen Hintergründen zu erreichen und einzubeziehen, um gesellschaftliche Realität abzubilden und Teilhabe zu ermöglichen. Im Sinne einer Multiperspektivität und interkulturellen Öffnung in der historisch-politischen Bildung sollen Seminare und Projekte zur Zeitgeschichte entwickelt und umgesetzt werden.

Neben der Geschichte und den Geschichten der deutschen Einwanderungsgesellschaft werden (nationale) Geschichts-Narrative kritisch hinterfragt und alternative Erinnerungsformen diskutiert, die sich ggf. auch kritisch mit den vorhandenen Formen deutscher und europäischer Erinnerungskulturen auseinandersetzen. Dazu können lokalgeschichtliche Ansätze zu bisher wenig beachteten Opfergruppen und Minderheiten zählen, wie z. B. die Auseinandersetzung mit Verfolgungsgeschichten, die bis in die Gegenwart hinein wirken. Die Öffnung hin zu einer internationalen Perspektive, z. B. im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und Holocaust, stellt einen weiteren wichtigen Schritt hin zu einer inklusiven und multiperspektivischen Erinnerungskultur dar.

Die Arbeitswelt und als Teil davon die Organisation von Arbeit und Ausbildung sind geprägt von politischen Entscheidungen und den Vorgaben rechtlicher Rahmenbedingungen zur Ausgestaltung von Arbeitsverhältnissen. Dazu gehören auch der Mindestlohn und die Bedingungen für Ausbilder/-innen und Auszubildende. Die politischen und rechtlichen Vorgaben haben auch Auswirkungen auf die individuelle Berufswahl und deren Konsequenzen für persönliche Lebensgestaltung.

Diese Zusammenhänge stehen im Mittelpunkt dieses Themas. Darüber hinaus sollen die Auswirkungen europäischer Arbeitsmarktpolitik auf die Mobilität von Arbeit und Arbeitskräften, die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Verfügbarkeit von Arbeitskräften, die zunehmende digitale Vernetzung („Industrie 4.0“) und die Integration von Migrantinnen und Migranten und Flüchtlingen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt aufgegriffen werden.

Die Einbeziehung der Lebenswelten junger Menschen wird durch die Gewinnung von Zielgruppen, die sich im Übergang zwischen Schule und Ausbildung sowie zwischen Ausbildung und Beruf, aber auch außerhalb dieses formalen Systems befinden und sich mit ihrer persönlichen Zukunft befassen, realisiert. Die Angebote politischer Bildung für diese Zielgruppen sollen die zukünftige Gestaltung von Arbeitswelten auch außerhalb der klassischen Erwerbsarbeit, deren politische Dimension sowie die Chancengerechtigkeit in den Blick nehmen. Sie sollen Möglichkeiten der Einflussnahme und der Partizipation in der Zivilgesellschaft thematisieren.

Publikationen

Wir reden mit! Räume für politische Jugendbildung im Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten

Der AdB hat die Zäsur vor dem Beginn des neuen Programms „Politische Jugendbildung im AdB“ (2023–2028) zum Anlass genommen, mit der Broschüre die politische Jugendbildung im AdB insgesamt und insbesondere die letzten sechs Jahre (2017–2022) in den Blick zu nehmen: Sechs Jahre intensiver Zusammenarbeit in vier Fachgruppen, die Entwicklung von Ideen und Projekten sowie die Umsetzung in die Praxis durch die Jugendbildungsreferent*innen zeigen eine positive Bilanz und den unbedingten Willen aller Beteiligten, auch unter schwierigen (Corona-)Bedingungen politische Bildung zu realisieren und weiterzuentwickeln.